Mexiletine

Mexiletine bei ALS

In mehreren Studien wurde über eine Hyperexzitabilität sowohl von peripheren motorischen Nervenzellen bzw. deren Axonen wie auch kortikalen Motoneuronen als mögliche Pathophysiologie der ALS berichtet. Eine solche Hyperexzitabilität des peripheren motorischen Neurons bzw. Axons könnte auch eine Rolle bei der Entstehung von Faszikulationen und Muskelkrämpfen spielen. Mexiletine ist ein Antiarrhythmikum, welches Natriumkanäle blockiert. Es gibt experimentelle Daten, dass Mexiletine die neuronale Hyperexzitabilität verringern kann und Zelltod im Modell der SOD1-ALS reduzieren kann. Darüber hinaus gab es eine kleine open label Studie bei Patienten mit Machado-Josef-Erkrankung, in der gezeigt wurde, dass Mexiletine Muskelkrämpfe reduzieren kann (Kanai, K. et al Brain 2003.126: 965-973).

In einer doppel-blinden, Placebo kontrollierten, randomisierten kontrollierten Phase 2-Studie bei sporadischen ALS-Patienten mit 60 Teilnehmern wurde die Sicherheit, Verträglichkeit und auch erste klinische Daten von Mexiletine getestet. Dabei zeigte sich eine sehr gute Verträglichkeit in niedrigen Dosierungen (300 mg), wohingegen bei hohen Dosierungen (900 mg) ein Drittel der Patienten aufgrund von Nebenwirkungen abbrachen. Es gab keine Unterschiede bezüglich Abnahme des ALSFRS-R und der Vitalkapazität im Vergleich zu Placebo. Es zeigte sich aber, dass es zu einer signifikanten Verringerung von Muskelkrampffrequenz und auch -intensität kam. Beides dosisabhängig mit besserer Wirksamkeit bei 900 mg, aber bereits signifikante Wirksamkeit bei 300 mg (Weiss MD, Macklin EA, Simmons Z et al. A randomized trial of mexiletine in ALS. Safety and effects on muscle cramps and progression. Neurology 2016; 86: 1474 – 81.)

Die Studie gibt Klasse 1 Evidenz, dass Mexiletine sicher bei ALS einzusetzen ist und gut auf Muskelkrämpfe wirksam sein könnte. Da es sich nur um eine Studie von 12 Wochen handelt, ist das negative Ergebnis bezüglich Verringerung des ALSFRS-R Verfalls bzw. Reduktion der Vitalkapazität nicht überraschend; hier müsste eine längerfristige Studie Klarheit schaffen, ob es auch einen krankheitsmodifizierten Effekt gibt.